
Im September: Wissenschaftler ermitteln zelleigenes Schutzprotein bei Multipler Sklerose
Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben einen neuen Schutzmechanismus gegen Multiple Sklerose (MS) entdeckt, bei dem der Komplementfaktor H (CHF) eine zentrale Rolle spielt. Das Immunsystem Protein Komplementfaktor H, wirkt direkt innerhalb von Nervenzellen. Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnisse könnten neue Wege für Therapien eröffnen, die gezielt den Verlust von Nervenzellen bei progredienter MS verhindern.
Behandlungsansatz
„Überraschend war für uns vor allem, dass ein Protein des Komplementsystems direkt innerhalb der Nervenzelle eine solche Schutzfunktion übernehmen kann. Damit haben wir einen bislang unbekannten Mechanismus identifiziert, der neue therapeutische Ansatzpunkte zum Schutz von Nervenzellen bei MS eröffnen könnte“, sagt Prof. Dr. Manuel Friese, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE und Leiter der Studie.
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Die anhaltende Entzündung in Gehirn und Rückenmark schädigt Nervenzellen und kann zu ihrem Verlust führen. Doch nicht alle Nervenzellen sind gleichermaßen betroffen; während einige besonders anfällig sind, zeigen sich andere erstaunlich widerstandsfähig. Diese Unterschiede nutzte das Forschungsteam des UKE, um körpereigene Schutzmechanismen von Nervenzellen aufzuspüren.
Immunprotein mit Doppelfunktion
Die Netzhaut im Auge enthält eine Vielzahl von Nervenzelltypen, welche oft unterschiedlich stark von der Schädigung bei MS betroffen sind. So konnten die Forschenden mithilfe von Einzelzellsequenzierungen retinaler Zellen (Nervenzellen der Netzhaut) von Menschen mit und ohne MS den Komplementfaktor H als möglichen Schutzfaktor besonders widerstandsfähiger Nervenzellen identifizierten. Bislang war der Komplementfaktor H vor allem als ausgeschiedener Steuerungsfaktor des Komplementsystems, einem wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunabwehr, bekannt. Die weiteren molekularbiologischen, biochemischen und genetischen Untersuchungen zeigten jedoch, dass das Protein zusätzlich direkt innerhalb sämtlicher Nervenzellen eine neuartige, eigenständige Schutzfunktion besitzt. Bei MS entstehen zunehmend reaktive Sauerstoffverbindungen, die oxidativen Stress verursachen und zum Tod der Nervenzellen beitragen und genau diesen schädlichen Kreislauf unterbricht der Komplementfaktor H in den Nervenzellen.
Schutzmechanismus von Komplementfaktor H (CHF)
Die Forschenden des UKE wollen auf der Grundlage des neu entdeckten Komplementfaktor H Ansätze entwickeln, mit denen sich Nervenzellen bei Multipler Sklerose (MS) künftig gezielter vor Verlust und Degeneration bewahren lassen. Jeglicher Fortschritt der modernen Gesundheitsforschung trägt dazu bei, dass Krankheiten wie die Multiple Sklerose gezielter behandelt werden können.
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Quellen: UKE Hamburg- Eppendorf DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10981-y
